feminism, bicycles and politics or — the freedom of movement

I read something
Once

That compared cars to men
And bicycles to women

To be sure, it is a binary, simple comparison
And gender is more difficult —
But it went something like this:

Cars are allowed to take up space
Whereas bikes are “invisible”

Being honked at by a car
Feels also like
Street harassment

HEY BABY
NICE BIKE

The road traffic act
Is made FOR CARS

Because the ones who made the rules
Were CAR OWNERS

To have a car
Means

“I can afford it
Because I am not depending on
Minimum wage to feed my children as a single parent”

Or

“I can afford it
Because I get paid more than my colleague”

By the way, to car owners –
Does saying this offend you?
Really?

Although these topics are more complicated
There is a germ of truth in thoughts like these

As feminist bike activists
We not only want less cars in the streets
Nor any person to feel unsafe moving through our city

We want to create this city
By our own rules
Together

We do not want to be ruled
Either by patriarchy, capitalism
Or by this government!

But still —
We are able to move
And it is perverse that this is a privilege
Rather than a basic human right —
To be able to move

In the streets
In this city
In this country
In Europe
In the world?!

It is not possible for those
Who are stuck behind borders
Who have no right to move at all
As if they are no persons

Or they are locked up for trying to carry out
What we think is
A basic human right:
The freedom of movement

This government
Is the reason we are here today
And every Thursday

We are not just
Demonstrating that cyclists are also traffic
And that there are too many cars in town

This government
Any government really
Is the reason for so much anger —

Restricting reproductive rights and social achievements
Evictions
Deportations
Unsafe passages

Which means
Thousands drowning in the Mediterranean Sea

The fairy tale monsters are not the poor and not the migrants,
Looking for a better life in a different land;
True monsters are those who take all the resources
And claim them for themselves,
And say it has always been so

But we say no,
It has not always been so!
It is only for now
And we’ll change it

It may not be as easy as putting a bike lane
Where there was once a row of cars
But it’s a start

Rad Action Days II

wir bereiten uns vor, für den internationalen feministischen kampftag!
jeder tag 8. märz!

01.03.

bike basic repair FLINT* only workshop + movie night
macht gemeinsam mit uns eure fahrräder frühlingsfertig oder repariert kleinigkeiten!
beginn ist 17:00, ihr könnt aber auch gern später kommen. es wird ein paar tool kit goodie bags geben (es zahlt sich also aus bald da zu sein :))

nach der werkstatt gibts get together, essen, popcorn und filmschaun! ♥

17:oo workshop-beginn
21:00 film schauen
bikekitchen wien, goldschlagstr. 8

02.03.

rap/hip hop freestyle session und workshop für FLINT* only mit ‚jenny from the ostblock‘ und femmeDMC
im ersten teil des workshops gibts basics über entstehung und hintergründe von hiphop. anschließend eine freestylesession wo es keinerlei vorerfahrung bedarf und eins sich in feministisch supportendem umfeld im rappen ausprobieren kann!

Wichtig für den Workshop: hands on – alles zum mitmachen, kein zuschauen. beginn pünktlich und einstieg nur am anfang möglich.

14:00 start
bis 19:00
bikekitchen wien, goldschlagstr. 8

03.03.

grrrls*polo -bike polo training FLINT* only
bike polo, der niceste sport auf zwei rädern, co-ed, fast&fun.
wir stellen fahrräder und mallets zur verfügung, ihr könnt aber auch gern mit eurem eigenen rad kommen. wenn ihr helm/schoner habt, bitte mitnehmen!

14:00 start
bis 18:00
rollsportanlage auf der schmelz
48°12’11.6“N16°19’12.6“E

07.03.

kritische männlichkeiten* workshop von queer_topia
open for all genders
„den weg ins ungewisse wagen“ – workshop zu kritischen männlichkeiten
inhaltstext:
in diesem workshop wollen wir uns mit dem thema männlichkeiten beschäftigen.
was ist eigentlich männlich*keit? wie kann ich kritisch mit (meinen) männlich*keiten umgehen? wie und wann nutze/performe ich sie? wo schränken mich (meine) männlich*keiten ein?
diese und andere fragen werden im workshop mithilfe von theatermethoden und methoden aus der machkritischen bildungsarbeit bearbeitet.

critical masculinities*                                                   „to dare the way into the unknown“ – workshop about critical masculinities
abstract:
during this workshop we will deal with the topic of masculinities.
what does masculinities* actually mean? how can i handle (my) masculinities*? how and when do i use/perform them? where does (my) masculinities* limit myself?
these and other questions are processed during the workshop with theatre and critical paedagogy methods.

13:30 treffen
14:00 beginn des workshops
bis 17 uhr
bikekitchen wien, goldschlagstr. 8

08.03.

FLINT* bike block auf der demo zum feministischen kampftag
take back the streets

17:00 treffpunkt
wien mitte

RADS & GGoG – Revolutionary Powerful Grrrl*Bike*Gangs

Wenn ihr euch die Frage stellt in welchen Kontexten oder von welchen Seiten ihr Feminismus erlebt, was würdet ihr darauf antworten? Da ist der Feminismus den einige an der Uni mitbekommen oder lernen, voller Theorien und Wissenschaft, der Feminismus der deine Meinung von oben bestimmt. Dann der Feminismus der Popkultur, oberflächlich und neoliberal, der Feminismus den du frontal aufs Auge gedrückt bekommst. Selbst das Gendermainstreaming ist für manche feministisch und doch eigentlich bloß demokratischer Staatskompromis, der dich von hinten schubst bis du fällst. Nicht zu vergessen der Feminismus der Organisationen, der von politisch aktiven Feminist*innen getragen wird, die solidarisch an deiner Seite stehen. Und dann noch diese ganzen unterschiedlichen Strömungen und Dogmen, deren Einfluss unterschiedlichste Auswirkungen hat und manche vergessen lässt wofür das F-Wort steht.

Feminismus, das bedeutet für uns gegen Sexismus und jegliche Form der Unterdrückung zu kämpfen, da Unterdrückungsmechanismen und Hierarchien eng miteinander verknüpft sind und alle betrifft. Feminismus von unten, das ist für uns niederschwelliger Aktivismus der ohne hierarchische Institutionen und Zugeständnisse auskommt. Eine mögliche Form des Zusammenschlusses von Feminist*innen von unten, sind Banden. Organisierte Kleingruppen oder Affinity Groups, die offen und solidarisch miteinander umgehen und als mobile safe spaces funktionieren. Anstatt unsere Körper zur Austragungsstätte politischer Kämpfe werden zu lassen, gebrauchen wir sie doch selbst als subversive Mittel im Kampf gegen die Unterdrückung und Einschränkung. Körper, die sich zusammenrotten und gemeinsam agieren. Wie oft wünschen wir uns nicht solidarische Stimmen die uns supporten und wie oft ist uns dieser Wunsch gar nicht bewusst?

RADS steht für Radical Anarchist Dangerous Sisters und ist ein Zusammenschluss von FLINTQ-Personen, welche die Leidenschaften für Fahrräder, Feminismus und Kunst oder besser gesagt Vandalismus im öffentlichen Raum verbindet. Bei GGoG, den Grrrl*Gangs over Graz ist das sehr ähnlich, wobei der Fokus auf die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema Street Harassment in Form von Street Art liegt. Verbündetenschaft, Solidarität und gemeinsame Aktionen liegen also mehr als Nahe, bewirken Sichtbarkeit für politische Positionen, die Umkehr des konstruierten Konkurrenzverhältnisses und bestärken uns in unseren Vorhaben und Zielen.

Gemeinsamkeiten sind auch eigene Betroffenheiten von patriarchalen Herrschaftsverhältnissen aus den individuellen Subjektpositionen als FLINTQ-Personen. Darunter fallen bspw. das alltägliche Erleben von Kommentaren und körperlichen Grenzüberschreitungen im öffentlichen Raum, oder Unsichtbarmachung in cis-männlich dominierten Subkulturen. Der Entschluss, jene Erlebnisse nicht zu individualisieren, sondern sie aus einer queerfeministischen Perspektive in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen und Machtdynamiken zu setzen um daraus eine Analyse zu formulieren, eint uns ebenfalls. Aus jener politischen Betrachtung, eine solidarisch widerständige und subversive Praxis zu entwickeln, welche uns empowert und langfristig nichts weiter als den Umsturz des Bestehenden zum Ziel hat, erscheint uns als unumgänglich!

Street Harassment und öffentlicher Raum

Der öffentliche Raum wird begriffen als durchzogen von sich verschränkenden Machtstrukturen und der realen Schaffung eines Raums an dem die patriarchale Dichotomie von Öffentlich und Privat zur Wirklichkeit wird. Demnach bestehen klare Normen darüber, WEM es zusteht sich den öffentlichen Raum WIE anzueignen, und das durchzieht sich durch jegliche Verhandlung davon. „Frauen“körper werden gemäß einer hegemonialen Schönheitsnorm dargestellt, welche jene Körper sexualisiert und objektifiziert, nicht binäre Körper unsichtbar macht und alle von jener Norm abweichende Körper degradiert und dadurch zur Zielscheibe für Sanktionen konstruiert.

Aktive und selbstbestimmte Nutzung sind dominanten Gruppen vorbehalten, während dies für depriviligiertere Gruppen eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Rollenzuschreibungen und die Zurückdrängung in „das Private“ bedeutet. Street Harassment und jegliche Form der Sanktion und Gewalt, welche innerhalb von Herrschaftsverhältnissen von Oben nach Unten verlaufen, begreifen wir nicht als zufällig, sondern als Ausüben von Macht und Zurückverweisen an vorhergesehene Plätze innerhalb von Machtkonstruktionen. Transidente und intergeschlechtliche Menschen, sowie nicht-weiße LGBTIQ-Personen haben durch das Zusammenwirken mehrerer Diskriminierungsformen ein besonders hohes Risiko Übergriffe und Diskriminierungen zu erleben. Einzelpersonen sind im öffentlichen Raum sehr häufig von Gewalt betroffen. Als Konsequenz daraus werden dann Vermeidungsstrategien wie das Assimilieren im öffentlichen Raum und Verschwinden in private Safe Spaces angewandt. 1Der Ausschluss aus dem öffentlichen Raum beginnt schon im Kindes- und Jugendalter. Wenn im Sandkasten vielleicht noch Mädchen und Jungen gemeinsam spielen, sind öffentliche (Sport-)Plätze ab einem gewissen Alter hauptsächlich männlich besetzt.2 Wenn Frauen*trans*inter*non-binary und Mädchen* den Raum besetzen, also an einem Ort verweilen, nehmen sie zumeist eine beobachtende, passive Rolle ein – zum Beispiel als Mütter* am Kinderspielplatz. Ebenfalls betroffen sind wohnungs- und obdachlose Menschen die, zusätzlich zur Verdrängung durch Gentrifizierung, Gewalt im öffentliche Raum erfahren. Die Ungleichverteilung von Kapital und Eigentum, und die u.a. daraus resultierenden (Un_)Möglichkeiten Zugang zu Ressourcen wie bspw. Wohnraum zu gewährleisten, produzieren ein gesellschaftliches Verhältnis in dem derAnteil an wohnungslosen Menschen und Übergriffen auf jene stetig steigt.

Was dagegen tun?

Staatlich implementierte Maßnahmen zur Herstellung von Sicherheit im öffentlichen Raum verhandeln sich entlang von Machtachsen und reproduzieren jene Herrschaftsverhältnisse mit, die wir als Ursprung von Betroffenheit von Street Harassment ausmachen. Stadtplanerische Maßnahmen, zivilgesellschaftliche Projekte und politische Aufklärungsmaßnahmen zum Thema Street Harassment sind zumeist selbst in einem institutionellen Rahmen verankert, den sie nicht in Frage stellen. Antwortstrategien zu Street Harassment sind nämlich auch stark abhängig von intersektionellen Diskriminierungserfahrungen, so werden zum Beispiel Selbstverteidigungskurse eher von weißen Frauen besucht, während WoC aufgrund institutioneller Diskriminierung andere Sicherheitsstrategien suchen.3 Institutionelle Diskriminierung, das bedeutet zum Beispiel rassistische mediale Berichterstattung und rassistische Vorurteile von Seiten staatlicher (Repressions-)Organe.

Revolutionary Powerful Gangs“

Daher bewegen sich unsere Vorschläge als Queerfeminist*innen* von Unten in Richtung Selbstorganisation, Kreativität, Solidarität und kollektives Empowerment in Abgrenzung zum Staat. Der Zusammenschluss zu einer queerfeministischen FLINTQ-Bande, hat das Potential im öffentlichen „Angst-Raum“ einen subversiven, im Falle einer Fahrradgang sogar einen mobilen, Schutzraum für jene zu schaffen. Gleichzeitig stellt dieser neu kreierte Raum und die Selbstinszenierung als Bande oder Gang einen Angriff auf patriarchale und sexistische Machtstrukturen dar. Ein gemeinsames starkes Auftreten – wie zum Beispiel mit Trillerpfeifen auf Fahrrädern oder als Paste-ups auf den Wänden der Stadt mit Waffen in den Händen – schafft einen Wiedererkennungswert und ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Im Gegensatz zu den meist cis-männlichen Banden oder Gangs schaffen feministische Zusammenschlüsse noch etwas anderes: sie wirken empowernd für diejenigen, für die sie eintreten. Eine subversive Aneignung und das Spiel mit maskuliner Härte, sowie das Demaskieren derselben bricht mit Geschlechternormen. So wie die Grrrl*Gangs Paste-ups FLINTQ-Personen in selbstdefinierten und zur Werbeindustrie konträren Posen zeigen, bedeuten die in einer feministischen Bande vereinten Körper eine Abwendung von den tradierten Rollen, welche „Frauen“ im öffentlichen Raum ansonsten zugesprochen werden. Die Körper die bei Street Harassment im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, entziehen sich dadurch aktiv einer sexualisierten Ebene. Mehr noch, durch den queerfeministischen Aktions-Konsens der sie vereint, wehren sie sich aktiv gegen Sexismus. Gleichzeitig werden hegemonial-männliche Organisationsstrukturen in Frage gestellt, da sich die feministische Bande mit Machtstrukturen auseinandersetzt und keine Hierarchien zulassen kann.

Was tun die RADS und GGoG dagegen?

Das Schaffen sichererer Räume im öffentlichen Raum für uns selbst und andere bietet Möglichkeiten uns zu empowern und zu unterstützen. Mit dem Blick aufs große Ganze und einer Kritik an allen unterdrückenden Herrschaftsverhältnissen und ihren Auswirkungen auf individuelle Positionierungen, können wir uns mit Betroffenen solidarisieren und daraus Praxen entwickeln. Isoliertheit, individueller Aufstieg und die Zurechtrückung der gesellschaftlichen Verhältnisse für die eigene Gemütlichkeit, sind keine Option. Eine umfassende Kritik auch als Angriff zu verstehen und ein radikales Auftreten, verwenden wir um nicht im institutionellen Sumpf des Reformismus stecken zu bleiben. Durch den Vandalismus und jene Kritik bewegen wir uns an der Grenze zur Illegalität oder überschreiten diese. Daher bedarf es unbedingt der Solidarität mit Personen die dadurch rechtsstaatliche Konsequenzen erfahren. Der Unterschied sich in einer politischen Gruppe zu organisieren, theoretisch zu arbeiten und Aktionen zu planen oder sich als feministische Bande oder Gang zu organisieren ist gering. Letztere ermöglicht vermutlich eher als erstere ein subversives Auftreten und das Zeigen einer Attitüde, das Vorleben eines Lebensstils, der widerständig ist und Dinge selbst, aber mit der Macht der Gruppe, in die Hand nimmt.

Aktionen in dunklen Parks oder auf großen Plätzen, Aktionen an Orten die cis- männlich besetzt werden und sind, Aktionen die zum Beispiel Lautstärke, laute Musik, etc. beinhalten, die mit Absicht Aufmerksamkeit und Irritation bewirken, das Aufladen des öffentlichen Raums mit politischen, radikalen und queerfeministischen Botschaften durch Graffiti, die Darstellung von Frauen*inter*trans*non-binary* und Mädchen* in selbstbestimmten und selbstdefinierten Posen als Paste-Ups – Das alles verstehen wir als Praxen von Queerfeminist*innen* von Unten, und sind die Dinge die wir tun. Gleichzeitig sind sie auch als Vorschläge und Einladung formuliert, für Menschen die aktiv werden wollen und weitere emanzipatorische Gangs bilden wollen.

Wir sind der Feminismus von unten, weil wir das System untergraben wollen. Anti-hierarchische Strukturen erschaffen wir nicht mit falschen Kompromissen und reformistischen Ideen. Wir sind der Feminismus von unten weil wir an der Wurzel sägen. Wir glauben dass feministische Forderungen radikal sein müssen, um zur befreiten Gesellschaft zu gelangen. Wir wollen nicht nur Räume aufsuchen können in denen wir uns safe fühlen, sondern wir wollen Räume besetzen um uns safe fühlen zu können.

Es ist eine eigene Stärke die durch die gemeinsame Organisation entsteht und die sich überträgt auf andere, die daran teilhaben oder die am Rande gestreift werden.

Anstatt zuzulassen dass sich die Wut auf das System in die allbekannte Ohnmacht und Resigniertheit verwandeln kann, welche Kompromissen und Zugeständnissen immanent sind, lasst doch die Wut Wut sein. Queerfeministische Aufladung, Rückeroberung und Einnahme des öffentlichen Raums von Unten auf revolutionär solidarische Art und Weise – das und noch viel mehr passiert, wenn sich die beiden Banden für die gemeinsame queerfeministische Sache zusammentun und nachts als Gang durch die Straßen ziehen!

Für eine kritische und kreative Auseinandersetzung mit heteronormativem Patriarchat, Kapitalismus, Rassismus, Kriminalität, Machtstrukturen und für Solidarität und aktives Handeln.

BIG QUEER REBEL HUGS from beyond, RADS und GGoG

1 https://www.profil.at/shortlist/gesellschaft/safe-spaces-lgbtiq-personen-ort-heilung-austausch-10241357

2 Becker, Ruth: Angsträume oder Frauenräume? Gedanken über den Zugang von Frauen

zum öffentlichen Raum. In: Feministisches Kollektiv (Hg.); Street Harassment.

Machtprozesse und Raumproduktion. Wien: Mandelbaum. 2008. 66

3 Vgl. Logan, Laura S.: Fear of Violence and Street Harassment: Accountability at the

intersections. Kansas State University. 2013

zu finden in der Frauen*forscherin 2018/2019
Feminismus von unten!

RADS MANIFESTO

1 page manifesto – pdf

wir sind RADS: RADical anarchist dangerous sisters!

diese dinge bedeuten uns leben: die freiheit und das fahrrad, das wir lieben.

es sind nicht alle frei, die ihre ketten fetten. es sind nicht alle frei, die radfahren.

 

seit je hat das fahrrad im umfassendsten sinne der fortbewegung das ziel verfolgt, von den menschen die abhängigkeit zu nehmen und ihnen unabhängigkeit zu geben. aber die fahrradkette verdreckt im zeichen des unheils. rücksichtslos gegen sich selbst, hat das fahrrad noch den letzten rest seines eigenen zwecks überholt.

da wir in einer gesellschaft leben, die sich vollständig dem auto und der geschwindigkeit verschrieben hat, sehen wir selten beispiele der existenzweise des fahrRADS, und die meisten menschen sehen die auf das auto gerichtete existenz als die natürliche, ja die einzig denkbare art sich zu bewegen an. all das macht es besonders schwierig die eigenart des RADS zu verinnerlichen und zu begreifen, dass nach vorne nur eine mögliche richtung ist. dennoch manifestiert sich diese vorstellung im lenkrad.

wir halten die herrschende macht für unrecht, wir wollen dass gar keine macht sondern das chaos herrscht. wir kritisieren die uniformisierung der fahrräder und ihrer ausbeuter. wir wollen keine elektroräder oder unsere städte vom gestank der autos erfüllt.

freiheit ist das fahrrad, weil es freiheit nur im unabhängigen zustande gibt, und es ohne das fahrrad keine unabhängigkeit gibt.

vom standpunkt des autos ist die freiheit gleichbedeutend mit isolierung.

uns ist die gefährliche freiheit lieber als eine autofahrt!

das sind die überzeugungen der RADS, wir nehmen euch nicht ernst und deshalb nennt ihr uns anarchistisch. wir protestieren nicht gegen diese bezeichnung, denn wir sind in der tat feindinnen jeglicher ordnung, weil wir wissen, dass die für den gilt, der ein auto hat, und das fahrrad ihr deswegen nicht gehorchen kann.

eine RADikale ist ein mensch, die mit beiden beinen fest auf den pedalen steht.

und diese beine sind RADikal, weil sie den grund aller unserer maximen bedeuten.

unser RADikalismus ist genau diejenige haltung, die unseren aktionen entspricht. wir bewegen uns in alle richtungen und auf einem fahrrad. wir haben von vornherein nichts anderes im auge als freiheit zu genießen. die verwandlung unseres kampfes aus einem zwang zur überwindung unserer unterdrückung in einen gegenstand des vergnügens – das ist der letzte tritt dieser bewegung.

was kann uns dazu bringen, die kette in bewegung zu bringen, wenn nicht die eigene mit anstrengung erreichte bewegung, die am äußeren widerstand sich entzünden muss? zuerst ist der antreibende widerstand im auto inkarniert, später wachsen ihm tausend räder: die macker im blaumann, die machos in spandex, die fahrradindustrie, die vertreter sexistischer und repressiver mächte. ihre brutalität stimuliert unsere trittfrequenz.

für einen macker, für den geschwindigkeit die hauptform seiner bezogenheit zum herrenrad ist, sind gedanken, die nicht der mainstream gesellschaft entstammen, furchterregend, wie alles was sich dreht, sich biegt und sich somit der kontrolle entzieht.

für uns schwestern, die in der weise des fahrRADS zur welt bezogen sind, hat das pedalen eine völlig andere qualität. wir setzen uns nicht nur mit dem fahrrad auseinander und sind an anderem interessiert.

wir nennen unsere schwestern darum die bewahrerinnen der freiheit, weil bekanntlich bei den mackern nicht die freiheit, sondern die kontrolle die initiative hat, welcher kontrolle die freiheit nur folgt.

du gehst zu deinen schwestern? vergiss dein fahrrad nicht!

eine schwester kann nicht ohne fahrrad auf die straße gehen. sie wird umkommen. wir müssen fahrRADSgangs bilden, um das auto zu überwinden.

jede schwester kennt die methoden der machos und der macker, methoden, durch die ihr können angezweifelt und ihr selbstvertrauen zerstört wird, bis sie sich klischees gegenübersieht, die verlangsamen, weil sie reaktionär sind, und der fähigkeit berauben, ihrer und der kreiselkraft zu vertrauen.

in fahrradwerkstätten wird die schwester aufgrund ihres geschlechts unterdrückt; sie führt ein elendes dasein; sie wird nichts lernen und es bedarf außergewöhnlicher umstände, damit sie sich verwirklichen kann.

selbst wenn sie am fahrrad schraubt, glaubt jeder dass sie nicht reparieren kann.

eine schwester wird nicht als frau geboren, sie wird auf ein damenrad gesetzt. eine schwester, die ein fahrrad fährt, ist etwas völlig anderes als diejenige, die ein damenrad fährt. das fahrrad verdinglicht ihre gedanken. dazu kommt noch etwas. sie ist gefährlich. sie strahlt, ohne ausnahme, die freiheit aus.

wir müssen das damen- und das herrenfahrrad überwinden: die geschichte aller bisherigen fahrräder ist die geschichte von geschlechterkämpfen.

möge die macker macho fahrradindustrie vor einer feministischen revolution zittern. unsere fahrräder haben nichts zu verlieren als ihre ketten. schwestern aller länder, vereinigt euch!

WEIL wir uns nach fahrRADSgangs, grrrls*polo und flimt werkstätten sehnen, die uns ansprechen, in denen wir uns eingeschlossen und verstanden fühlen.

WEIL es für unsere schwestern zugänglicher werden soll, an fahrrädern zu schrauben oder auf jede art und weise und auf jedem rad fahren zu können, damit wir unsere erfahrungen teilen und uns gegenseitig unterstützen können.

WEIL es wichtig ist unsere fahrradaktivitäten mit unseren schwestern zu unternehmen, wenn wir herausfinden wollen, wie wir dinge angehen oder den status quo verändern können.

WEIL wir wissen dass es kein umgekehrter sexismus ist, wenn wir das machen, sondern in einer mackerdominierten szene eine notwendigkeit.

WEIL wir die fantasien der macho fahrradszene als leere lügen entlarven, die unsere schwestern von schönen fahrrädern träumen lassen anstatt unsere eigenen fantasien selbst zu verwirklichen DESHALB suchen wir einen weg radikaler revolution in unseren eigenen kreisen um durch alternativen dieser bullshit wettbewerbs- und konsumsmentalität zu entkommen.

WEIL wir ermutigung wollen und brauchen, im hintergrund unserer eigenen unsicherheiten von mackern im blaumann, die uns sagen wir können keine fahrräder reparieren, von machos im spandex, die uns sagen wir können nicht radfahren und von der sexistischen fahrradindustrie die unsere körper (nicht) als werbeschild betrachtet.

WEIL wir uns nicht an die standards der macho macker fahrradindustrie anpassen wollen.

WEIL wir es satt haben in werkstätten, bei alleycats, als botinnen, im sport nicht ernst genommen zu werden, belächelt zu werden, übergangen zu werden.

WEIL wir wissen das radfahren mehr ist als nur physische kraft und wir uns bewusst sind, dass die unterstützung unserer pedalenden schwestern essentiell ist für unsere revolution, in der wir platz für die fahrräder aller unserer schwestern überall fordern – nach unseren vorstellungen und nicht nach denen der autos oder macho macker fahrradindustrie.

WEIL wir nicht-hierarchische wege des radfahrens fordern und RADS auf solidarität mit allen die nicht den heteronormativen kategorisierungen entsprechen (wollen) basiert.

WEIL fahrräder reparieren, group rides, bike polo, alleycats uns herausfordern und stärken und uns zeigen wie rassistischer, sexistischer, ableistischer, … bullshit unsere eigenen leben beeinflusst.

WEIL wir es wichtig finden anderen schwestern zu zeigen, dass es RADS gibt.

WEIL wir das herrschende system in all seinen formen hassen.

WEIL wir wütend sind und deshalb gefährlich.

WEIL wir uns unsere wut nicht nehmen lassen werden oder internalisieren und gegen uns selbst stellen werden.

WEIL für uns der kampf gegen das auto nicht der einzige ist, sondern wir von allen fahrradgangs und bike freaks verlangen solidarisch mit RADS zu sein.

WEIL wir von den füßen, die auf den pedalen stehen, bis zum kopf, der sich dreht um die richtung zu ändern, glauben, dass RADS eine revolutionäre kraft sein kann.